Manchmal holen einen Dinge ein

Als ich heute bei der Apotheke war, um mir Medikamente zu kaufen, dachte ich in der Warteschlange mal wieder nach.

Ich dachte an meinen Onkel. Mein Onkel, der Anfang des Jahres verstorben ist. Manchmal holt einen alles ein, was für einen großen Verlust bedeutet hat und dann knallt es auf dich nieder und du weißt nicht wie dir geschieht. Manchmal ists einfach so, egal in welcher Situation du gerade steckst.

Danach war ich noch kurz bei der Post, da ich etwas abholen wollte, bevor ich endlich wieder in mein kuscheliges Bett gehen konnte, um mich zu erholen.

Es war sowas von voll und ich verstehe bis heute nicht, warum es unsere Post nicht schafft um diese Uhrzeit, wo doch so viele von Arbeit nach Hause kommen, mindestens drei Leute dahinzustellen. Kapier ich nicht! Auf jeden Fall kamen zwei Männer in die Post rein und ich wunderte mich schon, was die beiden suchten. Sie sprachen eine Mitarbeiterin an, die dann endlich mal Zeit hatte. Nach langem Hin und Her durften beide zu ihr hin und dann hörte ich es.

„Das Konto ist von dem Verstorbenen, ja? Das soll jetzt geschlossen werden, ist das richtig?“

„Ja, das soll es.“, sagte einer der beiden Männer.

Es klatschte mir einfach kaltes Wasser ins Gesicht und lies mich eine Gänsehaut fühlen, die mir bis jetzt noch bei der Erinnerung wiederkehrt. Wie schlimm muss es für jemanden sein, alles was derjenige besaß und was irgendwie zum Alltag geworden ist, zu schließen? Endgültig einfach alles zu beseitigen? Irgendwie tut es so weh, wenn man daran denkt.

Egal, ob ich nur die letzten Monate vor seinem Tod mit ihm wirklich Kontakt hatte, ich vermisse ihn. Er stand zu mir und hat mir Mut gemacht mit meiner Fotografie. Er weiß gar nicht wie viel er mir damit geholfen hat und wie viel mehr ich gefühlt habe, dass ich einem Familienmitglied nahe war. Und dann war er einfach weg.

Meine letzte Frage an ihn war über Facebook und ich fragte ihn, wie er darauf kam einen Fotokalender selbstzumachen. Darauf bekam ich nie eine Antwort, aber ich glaube, dass das sein Wille gewesen ist, diesen fertigzustellen.

Hier könnt ihr noch zu einem ganz tollen selbstgeschriebenen Text von mir kommen, der über meinen Onkel handelt. Das war ein großer Durchatmer!

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Kein Weg

Meine Hände klebten an der feuchten und harten Steinwand. Ich schaute nach oben.

~ Kein Licht.

Es war nirgendswo ein Ausweg zu finden.

Die Steinwand bewegte sich, hatte ich das Gefühl. Sie wollte mich berühren und mir langsam die Luft wegdrücken. Ich riss den Mund zum Schreien auf und schaute dabei nach oben. Kein Laut entwich aus meiner Kehle. Meine Fäuste trommelten gegen die Wand mit den großen Augen und der hässlichen Fratze.

Die Haare klebten mir an meinem Gesicht. Waren meine Tränen der Grund oder die Feuchtigkeit? Der Raum war dunkel.. es war wie ein Brunnen, nur viereckig.

Ich lief, stolperte geradeaus und knickte um. Dort lag irgendetwas Festes. Ich tastete danach. Es war der Tod. Der feste Bestandteil des Todes. Knochen, Schädel und das Gebiss zu einem Schrei verfestigt.

[Geschrieben: Gestern Nacht]

Skat, Zigaretten & Feuerzeug

Eine Rednerin. Eine Kapelle. Viele Trauernde.

Du stehst dort vorn. Ganz allein. Um dich herum sind gefühlte Millionen von Blumen. Musik ertönt und alle schweigen. Gedenken nur an dich.

Die Rednerin spricht langsam und laut und doch sanft und ruhig. Es ist wie ein Fluss. Ein Fluss der Worte in deinen Ohren und ein Fluss, der aus deinen Augen herausschießen will. Dämme aller Art brechen in sich zusammen und Wasser ist nicht mehr zu stoppen.

Ich drücke meiner Mutter in der dritten Reihe die Hand und fühle, dass wir uns trotz der traurigen Gefühle, Stärke und Kraft geben. Ich höre um mich herum Geschluchze und schniefende Menschen. Alles Freunde, Verwandte, Bekannte und Kollegen, die um einen einzigen Menschen trauern. Meine Gedanken rasen. Wie konnte das Leben so sein? Warum ausgerechnet du? Du hast mir so viel Kraft gegeben. Du hast mir gesagt, dass ich mich nie von meinem Hobby entfernen soll und hast mich damit mehr als motiviert. Du warst und bist ein wundervoller Mann. Ich weiß, dass du über alle wachst, die dir wichtig sind. Du hast uns nicht für immer verlassen, du bist einfach nur woanders und beobachtest uns. Manchmal gibst du uns einfach einen Rat. Irgendwie, irgendwo, irgendwann.

Danke, Onkelchen!

Jemand verteilt die Blumen an alle. Dein Sohn steht auf und setzt sich seine Sonnenbrille auf, damit niemand die Tränen sieht. Er nimmt dich sacht in den Arm und läuft los. Er will dich nicht gehen lassen, aber er weiß, dass du deine Ruhe genießen möchtest. Jetzt ist es an der Zeit dich gehen zu lassen.

Wir standen alle auf und ich nahm die Hand meiner Mutter. Ich schaute ihr flüchtig ins Gesicht und ihre Augen waren total gerötet. Meine Mutter stützte meine Oma, die mit ihrem Krückstock nur stockend vorwärts kam. Langsam schritten sie die Stufen herab und die Glocke läutete.

Wir schritten alle für dich, ganz allein für dich diesen Weg entlang. Alle hintereinander und ziemlich ruhig. Eine kleine schneebedeckte Wiese machte sich vor uns auf und wir schritten vor dein Grab. Hier sollst du nun ruhen. Du ganz allein mit all unseren Gedanken und Gefühlen. Wir vermissen dich und trotzdem wollen wir dir deine Ruhe geben, weil es das ist, was richtig ist.

Meine Ma stand neben mir und hielt mich fest. Andauernd weinte sie und ich streichelte ihre Hand. Nun mussten wir langsam uns dem Grab nähern und Sand hineinwerfen. Unser letztes Gedankengebet offen vor dir darlegen. Langsam aber sicher schritt meine Mum mit mir weiter vor zum Grab. Sie zog mich hinterher und ich blieb hinter ihr stehen. Weiter. Ich nahm den Sand in die Hand. Er war kalt, aber ich wusste, dass er von mir berührt war und er dir die Wärme gab, die du brauchst.

Einer nach dem anderen warf den Sand in das kleine tiefe Loch. Natürlich durften genau drei Gegenstände nicht fehlen, die noch mit in das Grab kamen. Deine Zigaretten, dein Feuerzeug und deine Skatkarten! Jetzt warst du komplett. Diese Ruhe unter uns konntest du nun vollkommen ausleben.

Es war vorbei.

Was passiert?

Hallo meine Lieben!

Draußen ist es kalt, sehr kalt und es hat gestern geschneit, sodass heute total viel Schnee liegt. Danke lieber Gott, du hast uns das tollste Geschenk gegeben, was ich jetzt eigentlich nicht gebrauchen hätte können. Aber danke!

Das mit meinem Opa versuche ich gerade zu verarbeiten und denke, dass ich das ganz gut schaffe, auch wenn ich mir Sorgen um meinen Dad mache, aber das wird schon. Mein Opa wird am 21. Januar beerdigt und ich möchte unbedingt da sein, weil ich in den letzten Jahren nicht bei ihnen sein konnte/wollte wegen vielen Streitigkeiten und mitunter auch durch die Entfernung, da sie nicht in Berlin wohnen. Meine Ma hat gestern gesagt, dass sie leider nicht mitkommen kann, weil ihr Arbeitgeber sie unbedint an diesem Tag brauch.. na super. Ich bin dann wohl mit meinem Daddi alleine bei meiner Familie, die ich kaum kenne? Komisches Gefühl.. aber ich machs ja für Papa, Opa und mich, also kanns mir ziemlich egal sein, was mit den anderen ist und wie sie mich ansehen. Sie sind ja eh wie Fremde.

Dann kam gestern noch eine Nachricht, die wie auf den Deckel haute. Mein Onkel hat schon seit einigen Monaten? Jahren? (ich hab echt keine Ahnung, ich besitze kaum Zeitgefühl) einen bösartigen Tumor, also Krebs, an der Lunge? (glaube ich?). Jedenfalls hat er noch überall Wassereinlagerungen und naja, er kämpft. Er sagte zu meiner Mutter mal: „Der Krebs weiß gar nicht mit wem er sich hier eigentlich anlegt!“ Ich muss sagen, dass ich froh bin, das er so etwas sagt. Er gibt nicht auf wie Opa, nur ists jetzt schon so schlimm, dass mein Onkel ins Hospiz muss. Die Ärzte sagen, dass es richtig beschissen aussieht und mein Cousin hat schon die Vollzugsermächtigung von seinem Vater bekommen.

Ich habe Angst um meinen Onkel.. Klar, wir hatten nie so richtig Kontakt, weil ich eher ein Kind war, dass lieber mit erwachsenen Frauen so zusammen war. Männer waren für mich immer gruselig gewesen und da ich ihn seit Jahren nicht gesehe habe, war der Kontakt auch nicht wirklich da. Ich schrieb aber mal mit ihm über Facebook vor kurzem und er war so lieb. Viele Menschen trauen mir so viel zu und glauben an mich und das tut einfach so emens gut. Und jetzt ist er kurz vor dem Tod und ich? Ich sitze hier und weiß, dass meine Ma dann richtige Heulanfälle bekommt. Ich mein, hallo? Sie hat schon davon geträumt, dass sie sich für immer von ihm verabschieden muss und fing an zu weinen. Meine Güte.. 2013, was soll das?

Naja.. jetzt wisst ihr mal was hier so abgeht. Ich hoffe, dass ich euch nicht gelangweilt habe :)

Eure Sarah ♥

Du gingst.. für immer

Schlafen die Engel noch oder sind sie wach?

Du bist jetzt einer von ihnen. Ich glaube fest daran, dass man dir eine zweite Chance gibt. Irgendwo dort oben bist du. Du wurdest mit einem Geigenspiel begrüßt, das Tor öffnete sich vor dir und du sahst das Licht. Du gingst hinein. Das war für dich der Anfang eines neuen Lebens.

Man hat versucht dich zu halten, aber du hast losgelassen. Das hast du schon vor Monaten getan und ich freue mich für dich, dass du deinen Willen bekamst. Du musst nicht mehr leiden, mein lieber alter Mann. Ich behalte dich in meinen Erinnerungen und denke an die schönen Momente mit dir.

Du warst so ein Fan von Walnüssen, sodass wir unter dem Pavillion in der Kälte immer die Nüsse knackten und aßen. Ich weiß, dass wir es nie einfach hatten wegen vielen Dingen, aber ich werde das bei Seite legen, da du nun für ewig nicht mehr da bist. Nicht bei mir im Umfeld. Ich werde dich verabschieden kommen, wenn die Zeit gekommen ist und hoffe, dass man mich unter den Lebenden auch sehen will. Ich werde für deinen Sohn da sein und immer auf ihn aufpassen. Ich mache mir wirklich Sorgen um ihn, weißt du? Ich werde alles dafür tun, dass es ihm wieder besser geht. Seine Hand wird in meiner liegen und sie wird nie wieder losgelassen. Nie! Das verspreche ich dir.

Ich danke dir für all die schönen Momente mit dir.

Danke Opa.

R.I.P ♥

Ich hoffe, dass es ihm dort, wo er jetzt ist, besser geht. Ich möchte denen danken, die mir gestern schon geschrieben haben und vor allem Alex! Danke.

Eure Sarah.